Schwere Körperverletzung §§ 84, 87 StGB Österreich – Strafverteidiger Wien

Körperverletzung in Österreich – Strafverteidiger Wien zu § 83 StGB
Letzte Aktualisierung: April 2026 | Mag. Zaid Rauf, Strafverteidiger in Wien

Schwere Körperverletzung nach §§ 84, 87 StGB

Eine Schlägerei, ein Faustschlag, ein Sturz — und plötzlich steht im Strafantrag nicht mehr „Körperverletzung“, sondern „schwere Körperverletzung nach § 84 StGB“. Der Unterschied ist gravierend: Es drohen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe — das ist bei § 84 Abs 4 StGB der Regelfall. Bei absichtlich schwerer Körperverletzung nach § 87 StGB sogar ein bis zehn Jahre. Das Verfahren wird nicht mehr am Bezirksgericht geführt, sondern am Landesgericht für Strafsachen Wien.

Die gute Nachricht: Nicht jede Verletzung ist automatisch eine schwere. Die Abgrenzung zwischen einfacher und schwerer Körperverletzung bietet erhebliche Verteidigungsspielräume — bei der Qualifikation, beim Vorsatznachweis und bei der Strafzumessung. Der OGH hat die Voraussetzungen in zahlreichen Entscheidungen konkretisiert. Genau dort setze ich als Strafverteidiger in Wien an.

Auf dieser Seite erkläre ich den Tatbestand der schweren Körperverletzung nach § 84 StGB, die absichtlich schwere Körperverletzung nach § 87 StGB, die aktuellen Strafrahmen und die Verteidigungsstrategien, die in der Praxis funktionieren.

Erkennen Sie sich wieder?

  • Sie haben eine Vorladung oder einen Strafantrag wegen schwerer Körperverletzung erhalten
  • Das Opfer war länger als 24 Tage im Krankenstand und aus der einfachen KV wurde plötzlich eine schwere
  • Ihnen wird absichtlich schwere Körperverletzung nach § 87 StGB vorgeworfen
  • Ein Angehöriger sitzt in Untersuchungshaft und Sie suchen einen spezialisierten Strafverteidiger in Wien

→ Dann lesen Sie weiter — oder rufen Sie mich direkt an: 0676 601 7746

Ablauf eines Strafverfahrens bei schwerer Körperverletzung

Das Strafverfahren wegen schwerer Körperverletzung läuft in vier Phasen ab. Anders als bei einfacher Körperverletzung ist das Landesgericht zuständig — nicht das Bezirksgericht. In jeder Phase gibt es Verteidigungsmöglichkeiten.

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ERMITTLUNG
Vernehmung, Akteneinsicht, gerichtsmedizinisches Gutachten
ANKLAGE
Strafantrag durch die Staatsanwaltschaft Wien
VERHANDLUNG
Hauptverhandlung am Landesgericht für Strafsachen Wien

Praxis-Tipp vom Strafverteidiger

Die Einstufung als „schwere“ Körperverletzung hängt oft an einem einzigen ärztlichen Gutachten — konkret an der Frage, ob die Gesundheitsschädigung länger als 24 Tage gedauert hat. Lassen Sie dieses Gutachten immer durch einen Strafverteidiger prüfen. In meiner Praxis habe ich mehrfach erreicht, dass ein Privatgutachten die Krankenstandsdauer korrigiert hat — und aus der schweren KV eine einfache wurde. Das bedeutet: statt Landesgericht nur Bezirksgericht, statt Freiheitsstrafe eine Geldstrafe.

Was ist schwere Körperverletzung nach § 84 StGB?

Eine schwere Körperverletzung nach § 84 Abs 1 StGB liegt vor, wenn die Tat eine Gesundheitsschädigung oder Berufsunfähigkeit von mehr als 24 Tagen Dauer verursacht — oder eine an sich schwere Verletzung. Es genügt eine der beiden Alternativen. Der Strafrahmen beträgt bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.

§ 84 StGB ist kein eigenständiges Delikt, sondern eine Qualifikation der einfachen Körperverletzung nach § 83 StGB. Der Grundtatbestand — Misshandlung am Körper oder Gesundheitsschädigung — muss vorliegen. Die Qualifikation tritt hinzu, wenn der tatsächlich eingetretene Erfolg schwer ist.

Die 24-Tage-Regel

Die häufigste Variante der schweren Körperverletzung: Die Gesundheitsschädigung oder Berufsunfähigkeit dauert länger als 24 Tage. Entscheidend ist nicht der subjektive Krankenstand des Opfers, sondern die objektive Dauer der Gesundheitsbeeinträchtigung — festgestellt durch ein gerichtsmedizinisches Sachverständigengutachten.

Der 24. Tag selbst reicht nicht aus. Erst ab dem 25. Tag liegt eine schwere Körperverletzung vor. Diese Grenze ist hart: Ein Nasenbeinbruch mit 23 Tagen Heilungsdauer ist einfache KV, derselbe Bruch mit 25 Tagen ist schwere KV.

Die „an sich schwere Verletzung“

Die zweite Alternative ist die „an sich schwere Verletzung“ — unabhängig von der Dauer. Der OGH beurteilt die Schwere nach vier Kriterien (RS0092473): Wichtigkeit des verletzten Organs, Schwere des gesundheitlichen Nachteils, Gefährlichkeit der Verletzung und Möglichkeit weiterer Folgen.

§ 84 nach dem StRÄG 2015 — selbständige und unselbständige Qualifikationen

Seit dem Strafrechtsänderungsgesetz 2015 enthält § 84 StGB mehrere Qualifikationsstufen, die untereinander konkurrieren können. Abs 1 (schwerer Erfolg bei Misshandlungsvorsatz) ist eine unselbständige Qualifikation. Abs 4 (Vorsatz auf schweren Erfolg oder Verwendung einer Waffe) ist eine selbständige Qualifikation mit eigenem Strafrahmen von sechs Monaten bis fünf Jahren. Die Verwendung einer Waffe ist dabei eine eigenständige Qualifikation — unabhängig davon, ob tatsächlich eine schwere Verletzung eingetreten ist.

Diese Unterscheidung ist für die Verteidigung zentral: Wenn die Staatsanwaltschaft die falsche Qualifikation anklagt, liegt ein Subsumtionsfehler vor.

Im Unterschied zur früheren Fassung enthält § 84 StGB nunmehr „teils unselbständige, teils selbständige Qualifikationen des § 83 StGB“. Die Qualifikationsnormen des § 84 StGB können untereinander echt konkurrieren. — OGH 13 Os 111/18z vom 21. November 2018

Schwere Körperverletzung — Beispiele aus der Praxis

Ob eine Verletzung als „schwer“ gilt, hängt vom Einzelfall ab. Die folgende Liste zeigt typische Verletzungen und ihre Einstufung durch die Gerichte:

  • Nasenbeinbruch mit Verschiebung der Bruchenden: An sich schwere Verletzung — auch ohne Operation und ohne Dauerschaden (OGH 11 Os 77/75)
  • Bänderriss am Sprunggelenk: An sich schwere Verletzung nach ständiger OGH-Rechtsprechung
  • Rippenbruch (einzeln): In der Regel schwere KV wegen Heilungsdauer über 24 Tage
  • Kieferbruch: An sich schwere Verletzung, häufig bei Faustschlägen
  • Schädel-Hirn-Trauma mit Bewusstlosigkeit: An sich schwere Verletzung
  • Gehirnerschütterung ohne Bewusstlosigkeit: Abhängig von der Dauer — die genaue Heilungsdauer sollte gutachterlich überprüft werden
  • Zahnverlust (bleibender Zahn): An sich schwere Verletzung
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Ob eine PTBS eine an sich schwere Gesundheitsschädigung darstellt, ist einzelfallabhängig und gutachterlich zu beurteilen

Welche Strafe droht bei schwerer Körperverletzung?

Der Strafrahmen bei schwerer Körperverletzung reicht von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe (§ 84 Abs 1 StGB) bis zu fünfzehn Jahren (§ 87 Abs 2 bei Todesfolge). Eine Geldstrafe ist bei schwerer Körperverletzung nicht vorgesehen — es droht ausschließlich Freiheitsstrafe. Allerdings kann diese bedingt (auf Bewährung) nachgesehen werden.

Delikt Paragraph Strafrahmen Zuständigkeit
Einfache Körperverletzung § 83 StGB bis 1 Jahr oder Geldstrafe Bezirksgericht
Schwere KV (schwerer Erfolg) § 84 Abs 1 StGB bis 3 Jahre Landesgericht (Einzelrichter)
Schwere KV mit Vorsatz auf schweren Erfolg / mit Verwendung einer Waffe § 84 Abs 4 StGB 6 Monate bis 5 Jahre Landesgericht (Schöffengericht)
Schwere KV mit Lebensgefahr / gegen 2+ Personen § 84 Abs 5 StGB 6 Monate bis 5 Jahre Landesgericht (Einzelrichter)
Absichtlich schwere KV § 87 Abs 1 StGB 1 bis 10 Jahre Landesgericht (Schöffengericht)
Absichtlich schwere KV mit Todesfolge § 87 Abs 2 StGB 5 bis 15 Jahre Landesgericht (Schöffengericht)

Bedingte Strafe bei schwerer Körperverletzung

Bei § 84 Abs 1 StGB und Unbescholtenheit ist eine bedingte Strafe (Bewährung) durchaus möglich. Das Gericht setzt die Freiheitsstrafe aus und bestimmt eine Probezeit von ein bis drei Jahren. Bei § 84 Abs 4 oder § 87 StGB wird die bedingte Strafnachsicht restriktiver gehandhabt — ist aber bei Unbescholtenheit und günstiger Prognose grundsätzlich möglich.

Milderungs- und Erschwerungsgründe

Mildernd (§ 34 StGB) Erschwerend (§ 33 StGB)
Unbescholtenheit Einschlägige Vorstrafen
Provokation durch das Opfer Brutale Begehungsweise
Geständnis und Reue Wehrlosigkeit des Opfers
Schadensgutmachung / Schmerzengeld Verwendung einer Waffe
Alkoholisierung (in Ausnahmefällen) Mehrere Verletzte

Absichtlich schwere Körperverletzung nach § 87 StGB

Bei der absichtlich schweren Körperverletzung nach § 87 Abs 1 StGB drohen ein bis zehn Jahre Freiheitsstrafe. Im Unterschied zu § 84 verlangt § 87 nicht bloß Vorsatz, sondern Absicht (§ 5 Abs 2 StGB) — der Täter muss es geradezu darauf angelegt haben, eine schwere Verletzung herbeizuführen. Das ist die höchste Vorsatzform im österreichischen Strafrecht.

Abgrenzung: Vorsatz (§ 84) vs. Absicht (§ 87)

Die Abgrenzung zwischen § 84 und § 87 ist eine der häufigsten Verteidigungsfragen bei Körperverletzungsdelikten:

  • § 84 Abs 1 StGB: Der Täter hat die Misshandlung vorsätzlich begangen. Der schwere Erfolg tritt fahrlässig ein — der Täter hat ihn nicht gewollt, aber vorhersehen können.
  • § 84 Abs 4 StGB: Der Täter hat den schweren Erfolg mit bedingtem Vorsatz in Kauf genommen (dolus eventualis).
  • § 87 Abs 1 StGB: Der Täter hat die schwere Verletzung absichtlich herbeigeführt — es war sein Ziel, nicht nur eine in Kauf genommene Nebenfolge.

In der Praxis scheitert der Nachweis der Absicht häufig. Wer in einer Schlägerei zuschlägt, nimmt eine schwere Verletzung möglicherweise in Kauf — das begründet § 84 Abs 4, nicht § 87. Die Absicht muss positiv nachgewiesen werden, nicht bloß aus dem Verletzungsbild geschlossen werden.

Die in § 84 Abs 1 StGB definierten Erfolge sind untereinander gleichwertig. Für die Absicht nach § 87 genügt es, wenn der Täter irgendeinen der in § 84 Abs 1 genannten Erfolge angestrebt hat. — OGH 15 Os 151/24f vom 26. Februar 2025

Dauerfolgen und Todesfolge (§ 87 Abs 2 StGB)

Führt die absichtlich schwere Körperverletzung zu einer schweren Dauerfolge im Sinne des § 85 StGB — etwa dem Verlust eines Auges, einer Lähmung oder einer schweren psychischen Erkrankung — erhöht sich der Strafrahmen auf ein bis fünfzehn Jahre. Bei Todesfolge drohen fünf bis fünfzehn Jahre Freiheitsstrafe.

Der OGH hat klargestellt, dass die Qualifikation nach § 87 Abs 2 den tatsächlichen Eintritt der Dauerfolge voraussetzt. Wurde die Dauerfolge vom Täter beabsichtigt, ist aber nicht eingetreten, konkurrieren §§ 15, 87 Abs 1 und § 85 Abs 2 in echter Konkurrenz (OGH 13 Os 79/22z vom 28. September 2022).

Versuchte schwere Körperverletzung — gibt es das?

Die klassische versuchte schwere Körperverletzung nach §§ 15, 84 Abs 1 StGB bleibt nach ständiger OGH-Rechtsprechung rechtlich unmöglich. § 84 Abs 1 ist ein reines Erfolgsdelikt — ohne tatsächlichen Eintritt der schweren Verletzung gibt es keinen Versuch.

Aber: Seit der Neufassung des § 84 Abs 4 StGB (Vorsatz auf schweren Erfolg) ist ein Versuch nach §§ 15, 84 Abs 4 StGB rechtlich möglich. Denn § 84 Abs 4 enthält ein subjektives Tatbestandsmerkmal (den Vorsatz auf die schwere Verletzung), das über den bloßen Erfolg hinausgeht. Wer mit Vorsatz auf eine schwere Verletzung zuschlägt, das Opfer aber nur leicht verletzt, kann daher wegen versuchter schwerer Körperverletzung nach §§ 15, 84 Abs 4 StGB verfolgt werden.

Wann ist ein Versuch sonst möglich?

Bei der absichtlich schweren Körperverletzung nach § 87 StGB ist ein Versuch ebenfalls denkbar. Wenn der Täter absichtlich eine schwere Verletzung herbeiführen wollte, dies aber nicht gelungen ist, liegt eine versuchte absichtlich schwere Körperverletzung nach §§ 15, 87 StGB vor. Voraussetzung: Die Absicht (nicht bloß Vorsatz) muss nachgewiesen werden.

Der Versuch einer schweren Körperverletzung iSd §§ 15, 83 Abs 1, 84 Abs 1 StGB ist rechtlich nicht denkbar. Die Bestimmungen §§ 84–86 StGB setzen den tatsächlichen Erfolgseintritt voraus. — OGH 15 Os 178/10f vom 19. Jänner 2011
Hinweis: Diese Entscheidung bezieht sich auf § 84 Abs 1. Seit Einführung des § 84 Abs 4 StGB ist ein Versuch bei dieser Variante rechtlich möglich.

Fahrlässige schwere Körperverletzung

Bei fahrlässiger schwerer Körperverletzung nach § 88 Abs 1 zweiter Fall StGB droht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Monaten oder eine Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen. Fahrlässig handelt, wer die gebotene Sorgfalt außer Acht lässt. Typische Fälle: Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle, Hundebisse.

Die Abgrenzung zu § 84 StGB betrifft die Vorsatzebene: Bei § 84 Abs 1 liegt Misshandlungsvorsatz vor, der schwere Erfolg tritt fahrlässig ein. Bei § 88 fehlt jeglicher Vorsatz — auch die Grundhandlung erfolgt fahrlässig. Der Strafrahmen unterscheidet sich erheblich.

Mehr dazu auf meiner Seite zur fahrlässigen Körperverletzung nach § 88 StGB.

Diversion und Verjährung bei schwerer Körperverletzung

Eine Diversion ist bei schwerer Körperverletzung nach § 84 Abs 1 StGB grundsätzlich möglich. Die Strafdrohung beträgt bis zu drei Jahre — das liegt innerhalb der Diversionsgrenze. Voraussetzung: Die Schuld darf nicht als schwer einzustufen sein, der Schaden muss gutgemacht werden und es dürfen keine spezialpräventiven Bedenken bestehen.

Bei § 84 Abs 4 und Abs 5 StGB (Strafrahmen sechs Monate bis fünf Jahre) sowie bei § 87 StGB (ein bis zehn Jahre) scheidet Diversion aus. Hier liegt die Strafdrohung über der Diversionsgrenze.

Verjährung

Schwere Körperverletzung nach § 84 StGB verjährt nach fünf Jahren (§ 57 Abs 3 StGB). Die Frist beginnt mit Abschluss der Tathandlung. Werden innerhalb der Frist Ermittlungsschritte gesetzt, verlängert sie sich um die Hälfte auf siebeneinhalb Jahre.

Bei absichtlich schwerer Körperverletzung nach § 87 Abs 1 StGB (bis zehn Jahre) beträgt die Verjährungsfrist zehn Jahre. Bei § 87 Abs 2 mit Todesfolge (bis fünfzehn Jahre) ebenfalls zehn Jahre.

Delikt Strafdrohung Verjährung Diversion
§ 84 Abs 1 StGB bis 3 Jahre 5 Jahre Grundsätzlich möglich
§ 84 Abs 4 StGB 6 Monate bis 5 Jahre 5 Jahre Grundsätzlich möglich
§ 84 Abs 5 StGB 6 Monate bis 5 Jahre 5 Jahre Grundsätzlich möglich
§ 87 Abs 1 StGB 1 bis 10 Jahre 10 Jahre Ausgeschlossen
§ 87 Abs 2 StGB 5 bis 15 Jahre 10 Jahre Ausgeschlossen

Schwere Körperverletzung im Jugendstrafrecht

Für Jugendliche (14 bis 17 Jahre) gelten bei schwerer Körperverletzung reduzierte Strafrahmen. Nach § 5 Z 4 JGG wird die Höchststrafe halbiert, die Mindeststrafe entfällt. Bei § 84 Abs 1 StGB bedeutet das: maximal eineinhalb Jahre statt drei Jahre.

Im Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Diversion wird bevorzugt angewendet — auch bei Delikten, bei denen sie im Erwachsenenstrafrecht schwieriger zu erreichen wäre. Außergerichtlicher Tatausgleich, gemeinnützige Leistungen und Bewährungshilfe sind die gängigen Diversionsmaßnahmen.

Als Co-Autor des JGG-Kommentars im Linde Verlag kenne ich die Besonderheiten des Jugendstrafrechts aus der wissenschaftlichen und der praktischen Perspektive. Bei jungen Mandanten setze ich konsequent auf Diversion und außergerichtliche Lösungen.

Mehr zum Thema auf meiner Seite zum Jugendstrafrecht in Österreich.

So verteidigen wir bei schwerer Körperverletzung — Erfolge aus der Praxis

Einstellung bei § 87 StGB — Notwehr gegen Überfallversuch

Ausgangslage: Meinem Mandanten wurde absichtlich schwere Körperverletzung nach § 87 StGB vorgeworfen. Er hatte einen Mann mit einem Messerstich am Oberschenkel verletzt. Die Staatsanwaltschaft ging von einem unprovoziertem Angriff aus.

Verteidigungsstrategie: Durch Zeugenbefragungen und Analyse der Videoüberwachung konnte ich nachweisen, dass mein Mandant zuvor überfallen worden war. Die Verletzung erfolgte in Notwehr nach § 3 StGB gegen einen tätlichen Angriff.

Ergebnis: Rechtskräftige Einstellung des Verfahrens.

Einstellung bei Beteiligung an schwerer Körperverletzung

Ausgangslage: Meinem Mandanten wurde vorgeworfen, sich an einem tätlichen Angriff auf eine Person beteiligt zu haben. Die Anklage lautete auf schwere Körperverletzung in Mittäterschaft.

Verteidigungsstrategie: Systematischer Angriff auf die Beteiligungsform. Ich konnte darlegen, dass die Beweislage für eine aktive Beteiligung meines Mandanten am Angriff nicht ausreichte. Anwesenheit am Tatort allein begründet keine Mittäterschaft.

Ergebnis: Rechtskräftige Einstellung.

Diversion bei Körperverletzung mit Dauerfolgen (§ 85 StGB)

Ausgangslage: Meinem Mandanten wurde Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen nach § 85 StGB vorgeworfen.

Verteidigungsstrategie: Ein gerichtlich bestelltes Sachverständigengutachten ergab, dass keine Dauerfolgen im Sinne des § 85 StGB vorlagen. Damit entfiel die Qualifikation und eine diversionelle Erledigung wurde möglich.

Ergebnis: Diversionelle Erledigung. Keine Verurteilung, kein Strafregistereintrag.

Häufige Fragen zur schweren Körperverletzung

1. Ab wann liegt eine schwere Körperverletzung vor?

Eine schwere Körperverletzung nach § 84 Abs 1 StGB liegt vor, wenn die Gesundheitsschädigung oder Berufsunfähigkeit länger als 24 Tage dauert oder eine an sich schwere Verletzung vorliegt. An sich schwere Verletzungen sind etwa Nasenbeinbrüche mit Verschiebung, Bänderrisse oder Knochenbrüche. Die Dauer wird durch ein gerichtsmedizinisches Gutachten festgestellt — nicht durch den Krankenstand des Opfers.

2. Welche Strafe droht bei schwerer Körperverletzung nach § 84 StGB?

Bei schwerer Körperverletzung nach § 84 Abs 1 StGB beträgt der Strafrahmen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. Bei Vorsatz auf den schweren Erfolg (§ 84 Abs 4) sechs Monate bis fünf Jahre. Eine bedingte Strafe ist bei Unbescholtenheit und günstiger Prognose durchaus möglich. Geldstrafe ist bei § 84 nicht vorgesehen — nur Freiheitsstrafe.

3. Was ist der Unterschied zwischen § 84 und § 87 StGB?

Der zentrale Unterschied liegt in der Vorsatzform. Bei § 84 genügt bedingter Vorsatz oder sogar Fahrlässigkeit hinsichtlich des schweren Erfolgs. Bei § 87 muss Absicht im Sinne des § 5 Abs 2 StGB vorliegen — der Täter muss die schwere Verletzung als sein Ziel angestrebt haben. § 87 hat daher einen wesentlich höheren Strafrahmen: ein bis zehn Jahre statt bis zu drei Jahre.

4. Ist eine Geldstrafe bei schwerer Körperverletzung möglich?

Nein. § 84 StGB sieht ausschließlich Freiheitsstrafe vor — keine Geldstrafe. Allerdings kann die Freiheitsstrafe bedingt (auf Bewährung) nachgesehen werden. Bei Unbescholtenheit und einer Verurteilung nach § 84 Abs 1 ist die bedingte Nachsicht durchaus möglich. Der Verurteilte muss dann die Strafe nicht antreten, sondern absolviert eine Probezeit.

5. Kann eine schwere Körperverletzung versucht werden?

Bei § 84 Abs 1 StGB ist ein Versuch nach ständiger OGH-Rechtsprechung rechtlich unmöglich, da es sich um ein reines Erfolgsdelikt handelt (OGH 15 Os 178/10f). Allerdings ist seit Einführung des § 84 Abs 4 StGB ein Versuch bei dieser Variante möglich, da hier ein Vorsatz auf den schweren Erfolg vorausgesetzt wird. Auch die versuchte absichtlich schwere Körperverletzung nach §§ 15, 87 StGB ist strafbar — setzt aber den Nachweis der Absicht voraus.

6. Ist Diversion bei schwerer Körperverletzung möglich?

Bei § 84 Abs 1 StGB (bis drei Jahre Freiheitsstrafe) ist eine Diversion grundsätzlich möglich — etwa als außergerichtlicher Tatausgleich oder gemeinnützige Leistung. Auch bei § 84 Abs 4 und Abs 5 (bis fünf Jahre) ist Diversion grundsätzlich möglich, da die Diversionsgrenze bei fünf Jahren Strafdrohung liegt. Voraussetzung: Die Schuld darf nicht schwer sein, der Schaden muss gutgemacht werden. Bei § 87 StGB ist Diversion ausgeschlossen, da die Strafdrohung die Diversionsgrenze übersteigt.

7. Wann verjährt schwere Körperverletzung?

Schwere Körperverletzung nach § 84 StGB verjährt nach fünf Jahren (§ 57 Abs 3 StGB). Die Frist beginnt mit Abschluss der Tathandlung. Bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens verlängert sie sich um die Hälfte auf siebeneinhalb Jahre. Bei absichtlich schwerer KV nach § 87 Abs 1 beträgt die Verjährungsfrist zehn Jahre.

8. Was ist eine „an sich schwere Verletzung“?

Eine „an sich schwere Verletzung“ ist eine Verletzung, die unabhängig von ihrer Dauer als schwer eingestuft wird. Der OGH beurteilt das nach vier Kriterien (RS0092473): Wichtigkeit des verletzten Organs, Schwere des gesundheitlichen Nachteils, Gefährlichkeit der Verletzung und Möglichkeit weiterer Folgen. Beispiele: Nasenbeinbruch mit Verschiebung, Bänderriss am Sprunggelenk, Bewusstlosigkeit.

9. Welche Strafe droht bei absichtlich schwerer Körperverletzung nach § 87 StGB?

Bei absichtlich schwerer Körperverletzung nach § 87 Abs 1 StGB droht eine Freiheitsstrafe von ein bis zehn Jahren. Bei Eintritt einer schweren Dauerfolge (§ 85 StGB) ein bis fünfzehn Jahre. Hat die Tat den Tod des Opfers zur Folge, beträgt der Strafrahmen fünf bis fünfzehn Jahre. Diese Delikte werden vor dem Schöffengericht verhandelt.

10. Was gilt im Jugendstrafrecht bei schwerer Körperverletzung?

Für Jugendliche (14–17 Jahre) wird die Höchststrafe nach § 5 JGG halbiert, die Mindeststrafe entfällt. Bei § 84 Abs 1 StGB bedeutet das: maximal eineinhalb Jahre statt drei Jahre. Diversion wird im Jugendstrafrecht bevorzugt angewendet. Mehr dazu auf meiner Seite zum Jugendstrafrecht.

11. Wird schwere Körperverletzung am Landesgericht verhandelt?

Ja. Schwere Körperverletzung nach § 84 StGB wird am Landesgericht verhandelt — im Unterschied zur einfachen Körperverletzung (§ 83), die vor das Bezirksgericht gehört. Bei § 84 Abs 1 und Abs 5 entscheidet der Einzelrichter, bei § 84 Abs 4 und § 87 (einschließlich Abs 2) das Schöffengericht.

12. Was kostet ein Strafverteidiger bei schwerer Körperverletzung?

Die Kosten richten sich nach dem Umfang und der Komplexität des Falls. Bei RAUF Rechtsanwälte beträgt das Erstberatungshonorar EUR 250, das auf ein späteres Mandat angerechnet wird. Die weiteren Kosten werden im Erstgespräch transparent besprochen und richten sich nach dem Verfahrensabschnitt — Ermittlungsverfahren, Hauptverhandlung am Landesgericht oder Rechtsmittelverfahren. Rufen Sie mich an: 0676 601 7746.